EN 388 verstehen: was die Ziffern auf dem Handschuh bedeuten

EN 388 ist die europäische Norm für Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken. Das Piktogramm trägt bis zu sechs Stellen, jede steht für ein eigenes Prüfverfahren. Diese Seite erklärt jede Stelle und ordnet die Schnittschutzklassen konkreten Tätigkeiten zu.

Zuletzt aktualisiert: 3. August 2026

Die kurze Antwort

Die Ziffernfolge unter dem Hammer-Piktogramm nennt die Prüfergebnisse in fester Reihenfolge: Abrieb, Schnitt im Coupe-Test, Weiterreißen, Durchstich, danach der Buchstabe für den Schnitttest nach ISO 13997. Höhere Werte bedeuten mehr Widerstand, ein X bedeutet, dass nicht geprüft wurde.

Die Stellen im Piktogramm, einzeln erklärt

Jede Stelle steht für ein eigenes Prüfverfahren. Sie sind unabhängig voneinander: Ein Handschuh kann sehr abriebfest und zugleich wenig schnittfest sein.

StellePrüfwertSkalaWas geprüft wird
1AbriebfestigkeitEntscheidet, wie lange ein Handschuh bei reibender Arbeit hält.0 bis 4Anzahl der Testzyklen, die nötig sind, um das Material durchzuscheuern.
2Schnittfestigkeit (Coupe-Test)Das ältere Schnittverfahren. Bei stark schnittfesten Materialien stumpft die Klinge ab, dann ist der Wert nur eingeschränkt aussagekräftig und der ISO-Test der belastbarere.0 bis 5Anzahl der Testzyklen, die eine rotierende Klinge bei konstanter Geschwindigkeit bis zum Durchtrennen braucht.
3WeiterreißfestigkeitWichtig überall dort, wo ein Handschuh hängenbleiben kann, etwa an Blechkanten oder Gittern.0 bis 4Kraft, die nötig ist, um das Material weiter einzureißen.
4DurchstichfestigkeitGilt für stumpfe Normspitzen. Für dünne Nadeln oder Späne sagt der Wert wenig aus.0 bis 4Kraft, die nötig ist, um das Material mit einer genormten Spitze zu durchstoßen.
5Schnittfestigkeit (ISO 13997)Das heute maßgebliche Schnittverfahren, weil die Klinge nur einmal über das Material läuft und nicht abstumpft.A bis FKraft in Newton, die eine gerade Klinge in einem einzigen Zug zum Durchtrennen braucht.
6StoßschutzNur bei Handschuhen mit Protektoren. Fehlt die Angabe, wurde nicht geprüft.P oder keine AngabeDämpfung eines definierten Schlags auf den Handrücken.

Schnittschutzklassen A bis F und was sie in der Praxis bedeuten

Der Buchstabe an fünfter Stelle steht für die Kraft, die zum Durchtrennen nötig ist. Die Newton-Werte sind Mindestwerte der jeweiligen Klasse.

Klasseab NewtonTypischer EinsatzIm Sortiment
A2 NLeichte Montage, Kommissionierung, Arbeiten ohne scharfe Kanten.1 Modell
B5 NAllgemeine Montage mit gelegentlichem Kontakt zu Kanten, Lager und Versand.3 Modelle
C10 NBlechbearbeitung, Metallmontage, Umgang mit gestanzten Teilen.4 Modelle
D15 NScharfkantige Blechteile, Glasindustrie, Arbeiten mit erhöhtem Schnittrisiko.8 Modelle
E22 NAusgeprägtes Schnittrisiko, etwa beim Handling großer Blechzuschnitte.1 Modell
F30 NHöchstes Schnittrisiko, Klingenwechsel, Arbeiten mit offenen Schneiden.10 Modelle

Was ein X bedeutet

Ein X an einer Stelle heißt: Dieses Verfahren wurde nicht geprüft. Es ist keine Aussage über schlechte Leistung, sondern das Fehlen einer Prüfung. Im Katalog zeigen wir deshalb nur die tatsächlich geprüften Werte an.

Der häufigste Irrtum bei der Auswahl

Eine höhere Schnittschutzklasse ist nicht automatisch der bessere Handschuh. Mit steigendem Schnittschutz nehmen Materialstärke und Steifigkeit in der Regel zu, und die Fingerfertigkeit sinkt. Ein Handschuh, der bei feiner Montage stört, wird abgelegt und schützt dann gar nicht. Die passende Klasse ist die niedrigste, die das tatsächliche Risiko am Arbeitsplatz abdeckt.

Häufige Fragen

Was bedeuten die Zahlen auf dem Arbeitshandschuh?
Sie stehen für die Prüfergebnisse nach EN 388, in dieser Reihenfolge: Abriebfestigkeit (0 bis 4), Schnittfestigkeit im Coupe-Test (0 bis 5), Weiterreißfestigkeit (0 bis 4), Durchstichfestigkeit (0 bis 4). Danach folgt ein Buchstabe von A bis F für den Schnitttest nach ISO 13997.
Was ist der Unterschied zwischen Coupe-Test und ISO 13997?
Beim Coupe-Test läuft eine rotierende Klinge wiederholt über das Material, gezählt werden die Zyklen bis zum Durchtrennen. Bei stark schnittfesten Materialien stumpft die Klinge dabei ab und das Ergebnis wird unzuverlässig. Beim ISO-13997-Test läuft eine gerade Klinge nur einmal über die Probe, gemessen wird die dafür nötige Kraft in Newton. Deshalb ist der Buchstabe A bis F heute die belastbarere Angabe.
Welche Schnittschutzklasse brauche ich für Blechkanten?
Für Blechbearbeitung und Metallmontage ist Klasse C (ab 10 Newton) der übliche Ausgangspunkt. Bei scharfkantigen Zuschnitten oder erhöhtem Risiko sind Klasse D (ab 15 Newton) oder E (ab 22 Newton) angebracht. Maßgeblich bleibt die Gefährdungsbeurteilung am konkreten Arbeitsplatz.
Bedeutet eine höhere Klasse immer besseren Schutz?
Nein. Eine höhere Klasse bedeutet mehr Schnittwiderstand, meist aber auch dickeres, steiferes Material und weniger Fingerfertigkeit. Ein Handschuh, der bei der Arbeit stört, wird abgelegt und schützt dann nicht mehr. Die richtige Wahl ist die niedrigste Klasse, die das tatsächliche Risiko abdeckt.
Was heißt X in der EN-388-Kennzeichnung?
Das X zeigt an, dass dieses Prüfverfahren für den Handschuh nicht durchgeführt wurde. Es ist keine Bewertung der Schutzwirkung, sondern das Fehlen eines Prüfwerts.
Wie oft müssen Schutzhandschuhe gewechselt werden?
Die Norm nennt dafür keine Frist. Ausschlaggebend ist der Zustand: Sobald das Material durchgescheuert, eingerissen oder durchstochen ist oder die Beschichtung sich löst, ist die geprüfte Schutzwirkung nicht mehr gegeben und der Handschuh gehört ersetzt.

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